6/29/2017

ZWINGLIS MEDITERRANISIERUNG

Es ist doch beruhigend, dass es gewisse Dinge gibt, die ganz klar sind. Zum Beispiel, wo sich der schönste Fleck auf Erden befindet. Das ist so klar, wie das türkisfarbene Wasser an dessen Küsten: Südfrankreich. Oder gibt es etwa jemanden, der anderer Meinung ist? Nun, mit mir lässt sich nicht diskutieren. Doch wer nun denkt, ich sitze gerade unter einer Pinie und schaue verklärt auf das endlose Blau, der irrt. Leider. Ich begnüge mich momentan mit der von einigen Stadtbewohnern besorgt festgestellten „Mediterranisierung Zürichs“. Der See hat sich zwar noch nicht in ein Meer verwandelt, auch wenn in meinem Lieblingsbad schon seit Jahren für die Freie Sicht aufs Mittelmeer propagiert wird – aber schön ist's allemal, und wann immer möglich, halte ich mich dort, in der Nähe des kühlenden Nass auf. Dafür weniger in der Küche.

Etwas Gutes muss natürlich trotzdem auf den Tisch. Mit der saisonalen Auswahl an frischen Gemüsen ist das keine große Kunst: Auberginen, Zucchetti, Peperoni. Was liegt da näher als ein Klassiker der südfranzösischen Küche – ein Ratatouille! Die Spezialität, ursprünglich aus Nice, wurde wohl schon im 18. Jahrhundert aufgetischt. Ein sogenanntes Armeleuteessen. Ein gerührtes – französisch touiller – Gericht ohne Rezept. Laut Wikipedia ist rata ein Jargon aus der Militärkantine, eine Bezeichnung für „Verschiedenes zusammengemengt“. Ziemlich unpräzise. Entsprechend existieren endlos viele Arten, das Gemüse zuzubereiten. 
Die einen schwören auf das „Alles-miteinander-schmoren“ (ist mir zu matschig), andere braten die Gemüsesorten separat an, zu denen gehöre ich. Zumindest bis jetzt. Ab sofort kommt mein Ratatouille nämlich nur noch aus dem Ofen, das geht viel unkomplizierter und das Gemüse trieft nicht vor Öl. Und ja, statt frischer Tomaten verwende ich Pelati, insbesondere jetzt, da ich in unseren Breitengraden noch keine Exemplare entdeckt habe, die mich geschmacklich wirklich überzeugt haben. Das kann ja noch kommen. Derweil geht der Sommer weiter...


...und nach einem langen Tag am Meer, pardon See, ist der Hunger groß. Dann soll es bitteschön schnell gehen! Eine gute Stunde sollte man allerdings einrechnen, aktiv benötigt man aber nur etwa 20 Minuten. Noch besser: Man bereitet das Ratatouille bereits am Vormittag oder Vortag zu. So oder so, es bleibt genügend Zeit für einen entspannt mediterranen Aperitif... Santé!


Ratatouille aus dem Ofen
als Beilage für vier, als Hauptgericht für zwei Personen

Zutaten
Gemüse
1 Aubergine, nicht zu klein
2-3 gelbe Zucchetti (Zucchini), je nach Größe
2 rote Spitzpeperoni
Olivenöl
Salz

Tomatensoße
2 Schalotten, fein gehackt
1-2 Knoblauchzehen, zerdrückt und fein gehackt
1 Dose Pelati (ca. 300 g)
1 Zweig Rosmarin
1 Zweig Petersilie 
1 Lorbeerblatt
Olivenöl
Salz
schwarzer Pfeffer
Petersilie nach Belieben, fein gehackt

Zubereitung
Den Ofen auf 200° C vorheizen.

Das Gemüse waschen, trocken tupfen.

Auberginen quer in ca. 1,5 cm, Zucchetti längs in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden. 
Peperoni ganz lassen.

Ein Backblech mit Backpapier auslegen und das Gemüse darauf verteilen, mit Olivenöl bepinseln und salzen. Darauf achten, dass das Gemüse nicht übereinander liegt.

Das Blech für 30-40 Minuten in den Ofen schieben. Goldbraun rösten, nicht schwarz werden lassen.

In dieser Zeit in einer Pfanne Olivenöl auf mittlerer Stufe erhitzen, erst die Schalotten darin andünsten, anschließend Knoblauch, Lorbeerblatt, Rosmarin- und Petersilienzweige dazugeben und wenige Minuten mitdünsten. Pelati einrühren, salzen und pfeffern. Falls ganze Palette verwendet werden mit einer Gabel zerdrücken. Die Hitze auf kleine Stufe reduzieren und die Pfanne mit einem genügend großen Stück Backpapier abdecken und etwa 30 Minuten zu einem Sugo garen.

Das schön gebräunte und butterzarte Gemüse aus dem Ofen nehmen.
Etwas abkühlen lassen.

Die Stiele und Kerne der Peperoni entfernen. Wer möchte, zieht ihnen die Haut ab. 
Große Gemüsestücke halbieren oder dritteln.

Lorbeerblatt, Rosmarin- und Petersilienzweige aus dem Sugo entfernen, dann einen Drittel der Soße in eine große Schüssel geben, darüber einen Drittel des Gemüses legen und mit etwas Petersilie bestreuen, weiter wieder abwechselnd Tomatensoße, Gemüse und Petersilie dazugeben, bis alles in der Schüssel ist.

Ein paar Minuten ruhen lassen. Nur leicht und sorgfältig vermengen.

Nun braucht es im Grunde nur gutes frisches Brot dazu.
Oder Fleisch vom Grill – perfekt. Zu Fisch ebenso.
Mein Favorit: Mozzarella oder frischer Schafkäse.
Und: Am besten schmeckt Ratatouille lauwarm oder bei Zimmertemperatur. Niemals kalt aus dem Kühlschrank oder heiß.

Bon appétit und weiterhin frohes Schwitzen in Zürich – oder wo auch immer!

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6/19/2017

BEZIEHUNGSARBEIT – EINE KORREKTUR

Wie heißt es in den Beziehungsratgebern? Du musst daran arbeiten; passt dir etwas nicht, dann ändere es.
Nun, das habe ich getan. 
Für das Instant-Puddingpulver, verwendet als Bindemittel im No Bake Cheesecake, musste ich eine Alternative finden.
Nach fünf Versuchen ist er endlich gelungen: der perfekte Käsekuchen. Konsistenz, Geschmack und die inneren Werte stimmen jetzt. Kein Instant mehr! Und eine neue Erkenntnis: kein Quark. Bestätigt auch von einer sommerlichen Gästeschar. Alles wurde ratzeputz weggekrümelt.

Bitteschön, das korrigierte Rezept:
No-Bake Cheesecake
4-6 Personen 
Springform ø18-20 cm (ø26 cm doppelte Menge verwenden)

Zutaten
Brösel
60 g Vollkorn Petit Beurre
40 g Sables
40 g Butter zerlassen

Füllung
1,5 dl Rahm (Sahne)
250 g Dänischer Doppelrahmfrischkäse (Schweiz: Den besten gibt es in der Migros von M-Budget.)
2 g Johannisbrotkernmehl
1 Pkt. (8 g) Bourbon Vanillezucker
40 g Puderzucker
15 g Maisstärke

Zubereitung
Die Springform mit Haushaltpapier auslegen.

Petit Beurre und Sables in einen Gefrierbeutel geben und mit einem Walholz sanft zu Brösel klopfen und wallen. Diese anschließend in eine kleine Schüssel geben, die zerlassene Butter darüber gießen und alles gut vermischen.

Nun ca. zwei Drittel auf dem Boden der Springform verteilen und gut andrücken, damit ein Boden entsteht. Das geht gut mit dem flachen Boden eines Glases. Springform und den Rest der Brösel-Butter-Mischung in den Kühlschrank stellen.

Die Sahne steif schlagen. 

Die Maisstärke in einer Tasse mit einem Schluck Wasser verrühren und mit dem Frischkäse, Johannisbrotkernmehl, Puder- und Vanillezucker mit einem Mixer glatt rühren. Dann den geschlagenen Rahm gleichmäßig unterheben.

In die Form geben und glatt streichen. Zum Schluss die restlichen Brösel darüber streuen und den Kuchen für mindestens 6 Stunden, ideal auch über Nacht, in den Kühlschrank stellen.

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6/16/2017

BINDUNGEN: ES IST KOMPLIZIERT

Nicht nur der Mensch hat seine lieben Mühen mit Beziehungen und Verbindungen, auch Lebensmittel sind nicht viel besser. Soßen, Cremes, Eis, Marmelade – da wird getrennt und geschieden, außer es kommt das richtige Bindemittel dazwischen. Das kann ein Eidotter sein. Diese Methode nennt sich Liaison. So schön aber ein solches Liebesverhältnis sein mag, es gibt verschiedene Gründe keine Eier verwenden zu wollen oder zu können. Ein würdiger Ersatz ist Johannisbrotkernmehl. Mir graust zwar vor Ersatzprodukten, aber dieses Mehl ist ein reines Naturprodukt, auch wenn es in der Lebensmittelindustrie mit einer Ziffer als E410 bezeichnet ist und dadurch den Anschein erweckt "etwas Künstliches" zu sein.  
Das Mehl wird aus den Samen des Johannisbrotbaumes gewonnen und ist ein bekanntes und weitverbreitetes Bindemittel. Und für mich eine kleine Entdeckung, denn Bindungen, zumindest was die kulinarischen angeht, haben mich bis anhin nicht besonders beschäftigt. In den Sinn kam mir höchstens Gelatine und mit dieser wollte (und will) ich lieber nichts zu tun haben. Igitt! Tierknochenmehl.

Carubin, eine andere Bezeichnung für Johannisbrotkernmehl, eignet sich sowohl für heiße als auch kalte Zubereitungen. Ideal also für Eis, dem es eine gewisse Geschmeidigkeit verleiht, die ich bei selbst gemachter Eiscreme oft vermisse. 
Außerdem beklagte sich eine Freundin, dass kein Rezept für Kaffee-Eis zu finden sei, das ohne Instant-Kaffee auskomme. Die Gelegenheit meine Küche in ein kleines Versuchslabor zu verwandeln. Erfunden habe ich zwar nichts Neues, aber das Kafiglace, das wir schließlich genüsslich löffelten, schmeckte ausgezeichnet – ausgewogen in Süße, Geschmack und Cremigkeit. Ohne Eigelb. Und mit echtem Kaffee.

Apropos echt. Als ich unlängst den No Bake Cheesecake zubereitete, störte mich vor allem eine Zutat, nahm sie aber in Kauf, da ich den Kuchen so liebe: das Bindemittel, Instant-Vanillepuddingpulver. Instant – schon wieder dieses böse Wort! Kurzum, ein Fertigprodukt. Etwas, das ich sehr ungern, eigentlich nie verwende. Aber ich weiß, es soll dem Kuchen Halt geben und die Frischkäsemasse binden.
Um wenigstens die ungeliebte Gelatine zu vermeiden, besorgte ich das Puddingpulver im Reformhaus, und später, als der Kuchen schon längst aufgegessen war, habe ich mir die Zusammensetzung auf der Packung genauer angesehen. Ein Bestandteil ist Agar Agar, eine pflanzliche Alternative zur tierischen Gelatine, gewonnen aus Meeresalgen. Nun, auch nicht gerade appetitanregend und: Agar Agar geliert nur, wenn es erwärmt wird und wieder abkühlt, was in meinem kalt angerührten Cheesecake ja nicht der Fall ist. Möglicherweise wurde stattdessen die Kartoffelstärke aktiv, ein anderer Bestandteil des Puddingpulvers... 
Wahrlich: Es ist kompliziert. Aber auf Bindungen zu verzichten, im Leben wie in der Küche, wäre dennoch jammerschade, denke ich mir und lasse noch einen Löffel des geschmeidig Gefrorenen auf meiner Zunge zergehen...
Eine gute Übersicht vieler Bindemittel, deren Eigenschaften und Anwendungen, bietet diese Seite.


Kaffee-Eiscreme
Ergibt ca. 4 Kugeln

Zutaten
0,75 dl Milch
0,6 dl Espresso
35 g Kokosblütenzucker (im Reformhaus erhältlich, sonst weißen Zucker verwenden)
ausgekratztes Mark einer halben Vanilleschote
1 bis 1,5 g Johannisbrotkernmehl*
1,5 dl Rahm (Sahne), nicht geschlagen

*Es braucht sehr wenig Johannisbrotkernmehl. Wer keine Feinwaage hat: 1 g entspricht ungefähr einem knappen, gestrichenen TL (siehe Foto oben) und etwa einem halben Eidotter.

Zubereitung
Milch, Espresso, Vanille und Kokosblütenzucker ca. 3 Minuten leicht erwärmen (nicht kochen) bis der Zucker sich aufgelöst hat, dann das Johannisbrotkernmehl einrühren, vom Herd nehmen und in eine Schüssel leeren. Abkühlen lassen.
Den Rahm (Sahne) dazugeben und verrühren.
In die Eismaschine füllen und zu Eiscreme gefrieren. Anschließend in einen Behälter streichen und für ca. eine Stunde in den Tiefkühler geben.
Servieren. Genießen. Alleine, zu zweit, verbunden, unverbindlich... Wie auch immer: Glacewetter steht vor der Tür!


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6/07/2017

BRÖSELN UND TRÄUMEN

Für einen richtig guten Cheesecake würde ich ziemlich weit gehen. Gut, vielleicht nicht gerade in ein Flugzeug steigen. Das müsste ich nämlich, denn einen der besten Käsekuchen habe ich – nein, nicht in New York – in Tel Aviv gegessen.
Israelis nennen ihren Cheescake Pirurim-Gvina – wörtlich übersetzt Brösel-Käse. Der Kuchen wird nicht gebacken, heiß geliebt und kühl serviert. Der Bestseller jeder Konditorei. Dazu, darüber, darunter: Schokolade, Karamell, Nüsse, Früchte und eine Portion Fantasie... die Möglichkeiten und Vorlieben sind unbegrenzt. Für mich bitte ein Himbeercoulis! Ein Traum. Ebenso die Zubereitung. Schnell und kinderleicht. Und es bleibt eine Menge Zeit den Sommer zu genießen. Ab morgen wieder!






No-Bake Cheesecake mit Himbeercoulis
4-6 Personen 
Springform ø18-20 cm (ø26 cm doppelte Menge verwenden)

Zutaten
Brösel
60 g Vollkorn Petit Beurre
40 g Sables
40 g Butter zerlassen

Füllung
1,5 dl Rahm (Sahne)
250 g Dänischer Doppelrahmfrischkäse (Schweiz: Den besten gibt es in der Migros von M-Budget.)
2 g Johannisbrotkernmehl
1 Pkt. (8 g) Bourbon Vanillezucker
40 g Puderzucker
15 g Maisstärke

Coulis
250 g frische (oder gefrorene) Himbeeren
50 g Zucker

Einige Himbeeren extra

Zubereitung
Die Springform mit Haushaltpapier auslegen.

Petit Beurre und Sables in einen Gefrierbeutel geben und mit einem Walholz sanft zu Brösel klopfen und wallen. Diese anschließend in eine kleine Schüssel geben, die zerlassene Butter darüber gießen und alles gut vermischen.

Nun ca. zwei Drittel auf dem Boden der Springform verteilen und gut andrücken, damit ein Boden entsteht. Das geht gut mit dem flachen Boden eines Glases. Springform und den Rest der Brösel-Butter-Mischung in den Kühlschrank stellen.

Die Sahne steif schlagen. 

Die Maisstärke in einer Tasse mit einem Schluck Wasser verrühren und mit dem Frischkäse, Johannisbrotkernmehl, Puder- und Vanillezucker mit einem Mixer glatt rühren. Dann den geschlagenen Rahm gleichmäßig unterheben.

In die Form geben und glatt streichen. Zum Schluss die restlichen Brösel darüber streuen und den Kuchen für mindestens 6 Stunden, ideal auch über Nacht, in den Kühlschrank stellen.

Für das Coulis die Himbeeren mit dem Zucker kurz aufkochen, Hitze reduzieren und ca. drei Minuten weiterköchelnd. Vom Herd nehmen und durch ein Sieb streichen, um die Kerne zu entfernen. Das Coulis mit Haushaltfolie abdecken und ebenfalls in den Kühlschrank stellen.

Zum Servieren 3-4 EL Himbeercoulis auf einen Teller streichen, ein Stück Cheesecake darauf legen und einige Himbeeren darüber verteilen. 

So werden Träume wahr!

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5/18/2017

WAS ISST EIGENTLICH TRUMP?

Wo ich hinschaue, hinhöre, hingehe. Es geht, wenn nicht um Trump, ums Essen. Um das richtige Essen. Das gesunde Essen. Das wahre, das ehrliche Essen. Das Essen, das uns glücklich macht. Oder zu besseren Menschen. Das Essen, das uns alle eint und Freunde werden lässt. Alles schön und gut. Trotzdem, mir ist schwindlig von dieser Überdosis.
Als ich vor über zwei Jahren anfing TableTales zu schreiben, war Essen zwar ein wichtiges Thema, aber es war nicht omnipräsent. Wen es nicht interessierte, konnte es getrost ignorieren und weiter Fertigpizza essen. Heute dagegen herrscht kulinarische Dauerberieselung auf allen Kanälen. Das Thema wird im wahrsten Sinne ausgeschlachtet – vegan hin oder her. Kein Käseblatt mehr ohne Foodstory. Und eine gleicht der anderen – gestylter Einheitsbrei, der bei mir meist nur noch einen schalen Geschmack hinterlässt. Zeit für einen Naturjoghurt. Oder einen Congee.

Auf den Begriff stieß ich rein zufällig, als ich etwas ganz anderes im Internet suchte. Das Wort machte mich neugierig und schließlich landete ich virtuell in China, der Heimat des Congee (sprich Konschi), der Reissuppe, die aus genau zwei Zutaten besteht: Reis und Wasser.
Der Reis, vorzugsweise Jasminreis, wird mit der zehnfachen Menge Wasser kurz aufgekocht, dann mindesten 1,5 bis zu fünf Stunden geköchelt. Der Reis zerfällt und die Suppe erhält eine sämige Konsistenz, geschmacksneutral, ja, man kann auch sagen fad, daher umso bekömmlicher für alle, die an Übersättigung, welcher Art auch immer, leiden.
Gegessen wird das Gericht traditionell morgens, es passt aber auch zu jeder anderen Tageszeit und je nach Bedarf verscheucht es den Kater, tröstet bei Schlechtwetterdepression oder hilft dem überforderten Magen. Runterfahren, den Schalter auf Null drehen. Ganze Fangemeinschaften schwören einstimmig auf die reinigende Wirkung des Reisbreis – in der Zubereitung gibt es allerdings große Unterschiede und dementsprechend hat das Ergebnis oft nichts mehr mit einem Jook, wie der Wasserreis auch genannt wird, zu tun.

Nicht, dass ich das wirklich beurteilen könnte, ich bin nun beileibe kein Experte der asiatischen Küche. Bei Susanne Zimmel habe ich mir daher einige wertvolle Tipps geholt und auch gleich das Rezept für ein Congee-Topping: süßsauer eingelegter Chinakohl. Denn ein Congee in seiner reinsten Form, das übrigens auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin eingesetzt wird, schmeckt einfach nicht so richtig, da es eben nach nichts schmeckt.

Durch verschiedene Zugaben oder Toppings aber wird aus dem Heilsüppchen ein veritabler Gaumenschmaus: Klein geschnittener Ginger, Koriander, zarter, frischer Spinat, Gurken, Frühlingszwiebelgrün, frische Sprossen, gebratener Tofu, Fleisch- oder Fischbällchen, eingelegter Chinakohl, ein Ei/Eidotter. Oder Tausendjährige Eier – etwas für Mutige.
Zum Würzen eignet sich Sojasoße, geröstetes Sesamöl oder eine Kelle heiße Hühnersuppe, für die Schärfe etwas Chiliöl. Miso, Suppenwürfel oder Suppenwürze haben nichts im Congee verloren. Es kursieren allerdings viele Rezepte, die statt Wasser Brühe verwenden. Wer es nicht lassen kann, sollte wenigstens asiatische Hühnerbrühe verwenden. Ebenfalls ein No-Go sind Zucker, Honig und andere Süßstoffe – sonst sind wir schon bald beim Milchreis oder Porridge.
Die Reissuppe gilt als die reinste Speise überhaupt. Blütenweiß soll das Congee leuchten. Dennoch, auch Einlagen sind erlaubt, die mitgekocht werden: Hühner- oder Schweinefleisch, Fisch, Erbsen, Sojabohnen oder Ingwer.
Ach, fast vergessen! Wer sich darauf gefreut hat zu erfahren, was auf Trumps Speiseplan steht, den muss ich enttäuschen. Die Mühe das herauszufinden, habe ich mir nicht gemacht, feststeht aber, ein Congee ab und an würde wohl nicht schaden.


Congee


Zutaten

100 g weißer Jasminreis
10 dl Wasser


Zubereitung

Zuerst wird der Reis gründlich gewaschen. Den Reis in den Topf geben, in dem er anschließend gekocht wir. Mit Wasser füllen und den Reis mit den Händen durchkneten. Dadurch löst sich die dem Reis anhaftende Stärke und das Wasser wird trüb. Abgießen und den Vorgang drei bis vier Mal wiederholen, bis das Wasser klar bleibt. Nun den Liter frisches Wasser dazugeben.
Den Reis einmal kurz aufkochen und dabei umrühren. Die Hitze so weit reduzieren, dass der Reis bei halb geöffnetem Deckel leicht köchelt. Chinesen legen zwei Stäbchen quer über den Topf und setzen dann den Deckel wieder auf. Dadurch kann Dampf entweichen, aber nicht zuviel, und das Kondenswasser kann am Deckelinneren wieder in den Topf zurückfließen. Spätestens nach einer Stunde brechen die Reiskörner auf und setzen Stärke frei. Dadurch dickt der Brei ein und wird sämig. Die Hitze nochmals etwas reduzieren und weiter köcheln lassen. Ab und zu umrühren und darauf achten, dass nichts anbrennt. Nach insgesamt eineinhalb Stunden ist bereits ein sämiger aber noch leicht körniger Reisbrei entstanden. Ich habe ihn nach dieser Kochzeit vom Herz genommen.
Je länger man kocht, desto sämiger und cremiger wird die Suppe.
Nun mit Toppings nach Belieben belegen.



Süßsauer eingelegter Chinakohl


Zutaten

1 kleinerer Chinakohl (ca. 700 g)
80 ml Erdnussöl
2 EL Sezchuanpfefferkörner
100 g weißer Zucker
150 ml milder Reisessig
2 EL Salz
1 daumengroßes Stück frischer Ingwer
4 große Knoblauchzehen
1 EL Sesamöl
Frühlingszwiebelgrün
2 frische rote Chilis
rotes Chiliöl
gerösteter Sesam zum Servieren


Zubereitung

Den Chinakohl halbieren und den Strunk herausschneiden. Die Blätter einzeln ablösen und waschen. Die Blätter der Länge nach halbieren und dann quer in ca. fünf Zentimeter breite Stücke schneiden. Anschließend den Chinakohl kurz blanchieren,  kalt abschrecken und gut ausdrücken.
Das Erdnussöl erhitzen und die Sezchuanpfefferkörner darin rösten, bis sie dunkel werden, aber nicht verbrennen lassen. Das Öl anschließend durch ein Sieb seihen und noch heiß über den Kohl gießen.
Den Essig mit Salz und Zucker leicht erwärmen, bis sich die Kristalle aufgelöst haben, das Sesamöl dazugeben und ebenfalls über den Kohl gießen.
Den Ingwer und den Knoblauch in feine Scheiben schneiden. Das Zwiebelgrün in ein Zentimeter breite Ringe schneiden und alles zum Gemüse geben.
Die frischen Chilis halbieren, die Samen entfernen, in feine Streifen schneiden und diese kurz in einem Glas lauwarmem Wasser einlegen. Dieser Vorgang entzieht den Chilis einen Großteil der beißenden Schärfe. Anschließend die Chilis durch ein Sieb seihen, nochmals abwaschen und zum Chinakohl geben. Jetzt alles gut durchmischen, mit Haushaltfolie abdecken und ein paar Stunden bei Zimmertemperatur durchziehen lassen. Anschließend servieren oder in den Kühlschrank stellen. Es hält sich mindestens eine Woche. Zum Servieren mit geröstetem Sesam bestreuen und rotem Chiliöl beträufeln.

Ooooommm!

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4/27/2017

JETZT WIRD ES GUT!

Foodfestivals, Foodblogs, Foodporn, Foodmagazine, Foodies, Food, Food, Food... Es ist Zeit, dass es wieder ums Essen geht! Das hat sich ein Team rund um Köchin und Autorin Anna Pearson gedacht und entwickelte daraus die Idee eines multimedialen Online-Magazins, das Geschichten vom Essen erzählt. Das klingt gut und so heißt auch das Projekt: gut – vom Essen
Vier Mal jährlich will gut den Fokus auf ein Schwerpunktthema richten, es in einen kulinarischen Kontext bringen, vertiefen und es von unterschiedlichen Seiten beleuchten. 
Damit es gut kommt und die erste Ausgabe von gut im Herbst erscheinen kann, läuft jetzt das Crowdfunding noch bis Ende Mai auf wemakeit. Kurz und gut: 360'000 Franken sollen zusammenkommen – mit einem Mitgliederbeitrag von 120 Franken tut man bereits Gutes und hilft mit, damit die erste Ausgabe von gut im Herbst das erste Mal erscheinen kann. 
Einstimmen auf gute Zeiten lässt sich übrigens den ganzen schönen Monat Mai lang. gut veranstaltet zum Thema Ei ein farbiges Programm in und um Zürich und mehr als 20 Restaurants tischen für gut ein Ei auf. Alles wird gut!


ALL IMAGES @ TableTales
Bild via Tagesanzeiger, Doris Fanconi